Conny und Klaus auf Reisen
Conny und Klaus auf Reisen

Von Südamerika ins Mittelmeer

Teil 4: über den Atlantik

Freitag 05. April auf See

Seetage sind immer gut zum Ausschlafen. Eigentlich. Nicht so heute. Um sieben Uhr sind wir schon wach. Warum? Unklar.

Macht aber nix, dann haben wir mehr vom Tage, also raus aus den Federn und auf zur Morgentoilette. Kurz nach acht sind wir dann bereit für den (See-) Tag.

Da haben wir nun nach einigen Kreuzfahrten so unsere Routine drin. Zunächst geht es einmal runter ins "Artania Restaurant" zu einem ausgiebigen Frühstück, heute mal mit Sekt und "Egg Benedikt". Noch schön lange mit den Bedienungen quatschen - heute drängt ja keine Zeit - und dann drehen wir sportlich wie wir sind ein paar Runden auf dem Panoramadeck. Wie immer der Wettlauf wieviele Runden ich brauche bis ich Conny überhole.

Dann gilt es ein schönes schattiges Plätzchen mit Liegestuhl zu ergattern und ein wenig zu lesen oder einfach nur auf das Meer schauen. Die Plätze sind diesmal noch leichter zu finden wie sonst, das Schiff ist alles andere als ausgebucht. In Recife sind die 2-Wochen Urlauber von Bord gegangen und wir sind mit der Artania nun mit 670 Passagieren und 540 Besatzung auf unserer Atlantiküberwquerung. Ein wahrhaft luxuriöses Pax / Crew Verhältnis.

Noch sind ein paar fliegende Begleiter mit uns auf dem Meer, Fregattvögel folgen dem Schiff und jagen im aufgewirbelten Wasser der Schrauben nach Fischen. Ab dem Nachmittag werden wir dann für ein paar Tage keine Flugtiere mehr zu Gesicht bekommen. Seeluft macht bekanntlich hungrig, also auf zur Phoenix Bar, dort gibt es ab 11:00 Uhr eine kräftige Suppe damit die Zeit zum Mittagessen nicht so lange wird. Auch Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka steht schon an.

Ehe wir uns versehen ist Lunchtime, also wieder auf ins "Artania Restaurant" und Essen fassen. Mittags gibt es meist auch irgendeine leckere deutsche Hausmannskost und die schmeckt je länger die Reise dauert umso besser.

Zur Verdauung schieben wir zwei Liegen auf "unsere Terasse" direkt von unserer Kabine und begeben uns auf Mittagsruhe. Also Lesen, Dösen oder Hörbuch reinziehen. So haben wir uns das mit der Atlantiküberquerung vorgestellt. Der Seegang ist (noch) ruhig, lediglich das Wetter scheint nun umzuschlagen. Ungewöhnlich für die Jahreszeit.

Irgendwann packt uns dann doch die Unruhe, wir laufen nochmal drei Runden um das Schiff und lassen und danach erschöpft am Heck an der Poenix Bar nieder um einen Sekt zur Erfrischung zu nehmen.

Und dann erleben wir einen der wahnsinnig tollen Sonnenuntergänge wie sie nur auf hoher See zu sehen sind. Unglaublich seltsames Licht, urige Wolkenformationen und schöne Spiegelungen im Wasser. Klasse.

 

 

 

So, wird Zeit zum Duschen und "landfein" machen. Der kleine Hunger zwischendurch meldet sich gar mächtig. Schick machen und auf zum Gala Dinner - natürlich ins "Artania Restaurant".

Nach dem Tafeln und einem schönen Rotwein zieht es uns wieder an die Heckbar wo wir in lauer Nachtluft noch einen schönen großen und mächtigen Aperol Spritz schlürfen.

Das ist so der Ablauf eines typischen Seetages, und der wird auch so oder so ähnlich in den nächsten Tagen sein. Außer morgen. Morgen tut sich wieder Seltsames auf dem Kopernikus Deck.

Samstag 06. April - auf See - Äquatorüberquerung

Was sich so harmlos liest ist auf einem Kreuzfahrtschiff ein gaaaanz großes Ereignis das mit der berühmt berüchtigten "Äquatortaufe" einhergeht. Wir kennen dieses Prozedere ja gut, aber der Reihe nach.

Zunächst läuft alles nach dem Programmschema "Seetag" - siehe also oben. Nach dem Mittagessen und einem längeren kräftigen Schauer hat unser Kapitän eine Wolkenlücke erspäht die er auch prompt anfährt und der Mummenschanz auf dem Deck da oben nimmt seinen Lauf. Alles ist vorbereitet wie sonst zu den hohen Festen "maritimer Frühschoppen" oder "Stadl Frühschoppen" nur mit mehr "Schmuck" und vor allem mehr Zuschauern. Auch wir begeben uns oben auf das Aussichtsdeck um dem Treiben von Ferne zuschauen zu können.

Das Schffstypon tuten ordentlich und allerlei seltsame Gestalten ziehen Topfschlagend tröötend und schreiend in die Arena ein. Dabei natürlich der olle Neptun dem das alles gewidmet ist. Die schmutzigen Seefahrer und Touristen müssen sich reinigen (mit Schnaps) und dem Meeresgott huldigen. Einige Todesmutige werden mit stinkendem Schaum bekleistert, müssen einen toten Fisch küssen und werden in den Pool befördert.

Eine schöne Abwechslung im Schiffsalltag der von vielen Gästen erfreut angenommen wird. Wir staunen immer wieder, wie begeistert doch einige Menschen den ganzen Quatsch mitmachen. Klasse.

Gefilmt habe ich viel, aber leider kaum fotografiert. Also dann im Anschluss auch Bildschirmfotos aus dem Video. (Video in der Videothek).

Da wir der selbsamen Veranstaltung immer nur als dokumentarischer Beobachter beiwohnen verzichten wir auf das Freibir und trinken ein schön und frisch und voll gezapftes Bier unter Protest auf das mistige Wetter am Heck des Schiffes.

Sonntag 07. April - auf See - Seetag

Ja, noch ein Seetag. Ablauf wurde schon des öfteren beschrieben, auch heute finden keine signifikanten Veränderungen statt. Außer vielleicht, dass das Wetter rauher wird. Die Rollbewegungen des Schiffes werden deutlich spürbar die Restaurants ein wenig spärlicher besucht. Auf dem Wasser schwimmt hier in der "Ecke" der Welt ziemlich viel Grünzeug, Tang? Algen? Was weiß denn ich. Essen und Trinken gibt es auch und am Abend ein persönliches Ständchen unserer Restaurantcrew für Conny. Das war toll.

Montag 08. April - auf See - Seetag

 

Wie gestern. Fast. Heute Nacht hatten wir so richtiges Atlantikwetter. rauhe See und eine sehr kräftige Prise. Aber sowas gehört ja dazu zu einer richtigen Atlantiküberquerung. Es gäbe ja dann nichts zu berichten. Zum Frühstück dann erwartungsgemäß nur relativ leichter Publikumsverkehr.

Das mit dem Wetter auf unserer Überquerung wird wohl auch nicht mehr besser. Wir hatten auf dieser Reise in Äquatornähe mehr Wärme erwartet. Welch eine Wunschdenken.

Der Seetag verläuft zunächst so wie es immer ist mit Außnahme des Nachmittages. Da hat sich die Reiseleitung etwas ganz besonderes ausgedacht und die Spendierhosen angezogen. (Was ja natürlich auch nicht so stimmt, denn wir haben das ja bereits mit unserem Reisepreis alles vorfinanziert). Das große Ereignis kündigt sich an der Phoenix Bar schon lange vorher an. Tische werden aufgebaut und mit edlen Tüchern dekoriert, Plastikpalmen sind herangeschafft worden und unzählige Gläser warten auf Benutzung.

Und wozu das Ganze? Ganz einfach, gleich kommt wieder "Land in Sicht".  Wir erreichen die Kapverdischen Insenl, gnauer wir fahren an der Insel Fogo vorbei die sich im Dunst auch recht gut zeigt. An Land gehen werden wir hier nicht, erst morgen in Porto Novo auf der Insel Santo Antoo werden wir anlegen und wieder festen Boden betreten.

Ach so, den Grund für den dekorativen Aufbau habe ich ja fast vergessen - und die Spendierhosen. Es gibt Sekt für alle, und das bis zum Abwinken. Den Atlantik haben wir mit Verve bezwungen und das muss gefeiert werden. Ein Mitreisender ist so in Feierlaune, dass er seine weißen Lackschuhe präsentiert.

 

Dienstag 09. April: Mindelo Kapverden

Es ist einfach beeindruckend auf eine der Kapverdischen Inseln zu zufahnen. Schroffe, steil aufragende Berge mit felsigen trockenen Hängen ohne jegliches Grün mitten im Atlantik. Dazwischen wie Schwalbennester die Häuser und davor teils abenteuerliche Schiffchen.

Pünktlich legen wir an der Pier an und raus geht es dann auch gleich nach dem Frühstück - wir haben einen Ausflug in die Bergwelt gebucht und sind schon voller Erwartung was uns dort oben so erwarten wird.

Bevor wir von Bord gehen verlässt bereits unser Kapitän Morten Hansen mit dem Bordarzt Winnie Koller den Kahn. Nicht weil er sinkt, sondern weil die nun ihrem Hobby dem Mountain Bike fahren nachkommen müssen. Müssen - nicht wollen, denn dazu animiert und begleitet werden die beiden sportlichen Herren vom Kamerateam "verrückt nach Meer".

Die Szenen zum Verlassen über die Gangway und das Losradeln werden mehrmals wiederholt, bis sie auch spontan genug sind. Und denkt blos nicht, dass die weiter fahren als 100 m !!! Sobald die Szene im Kasten ist wird eingepackt. Also die Räder in einen Transporter. Dieser bringt die ganze Gesellschafft auf halbe Höhe zum Monte Cara wo die beiden Extremsportler bei ihrer spontanen Bergtour auf 750 m abgelichtet werden. Also auf einem kleinen Teilstück davon, so etwa 100 m. Wird in der Serie bestimmt klasse rüberkommen ;-)

Nun sind wir an der Reihe. über die alte Pier geht es raus aus dem Hafen zu ziemlich alten, ziemlich kleinen und ziemlich schwachen Bussen. Und damit dann durch den kleinen bunten Ort hinein in die atlantische Wüste und hinauf ins Inselgebirge. Die Straße ist eng, unbefestigt und windet sich steil am Hang hinauf. Zu unserer großen Überraschung schaffen es die rustikalen Transportfahrzeuge tatsächlich hinauf. Klasse.

Oben auf 756 m Höhe angekommen stehen wir im Nebel. Tolle Wurst, aber wir waren immerhin mal hier. Zwei Fotoaufnahmen und es geht wieder ein wenig nach unten zu einem tollen Fotopoint von wo aus wir "unsere" Artania unten im Hafen liegen sehen.

Und weiter geht die Tour über die Insel. Jetzt werden wir Richtung Strand gekarrt. Die Kapverdischen Inseln sind ja eigentlich schroffe, trockene Vulkaninseln aus entsprechend dunklem Lavagestein und felsigen ursprünglichen Ufern. Sandstrände - wenn überhaupt - nur in sehr ruhigen Buchten und dann auch recht steinig. An manchen Stellen ist das aber komplett anders. Mit einem verheerenden Sandsturm von etwa 150 Jahren wurden Abermillionen Tonnen Sand über das Wasser bis zu den Inseln transportiert und sind nun Grundlage eines wachsenden Tourismus.

Wir werden auch an einen schönen Strandabschnitt mit großer Düne gefahren und staunen, wie so plötzlich auf dem Eiland gelber Samd in Mengen herumliegt. Nett um Foto's zu machen und ans Wasser zu laufen, Nicht so nett da alles ziemlich mit Müll von Land und Meer zugesaut ist. Lediglich die Strandabschnitte der Hotelanlagen scheinen sauber gehalten zu werden.

Irgendwann hatten wir uns mal gewünscht auf den Kapverden zu urlauben. Nun sind wir da, finden die Inseln auch extrem interessant, vor allem die kleinen Örtchen, Sträßchen und schroffen Berge, aber für zwei Wochen trägt das dann doch nicht. Den Plan haben wir heute dann fallen lassen. Hier dann noch einige Bilder unserer Eindrücke auf dem Ausflug.

Pünktlich zum Mittagessen und zum Ablegen sind wir wieder auf dem Schiff. Mittagessen klappt, Ablegen noch nicht. Vorgesehen war ja die paar Seemeilen rüber zur Insel Porto Novo zu fahren, die wir deutlich Richtung Norden erkennen. Und darauf haben wir uns schon gefreut: endlich mal wieder tendern. Aber genau das ist das Problem. Wir wüden dort auf Reede liegen und aktuell läuft 4-5 m Schwell auf. (also langgezogene Wellen). Das macht ein Ausbooten natürlich unmöglich und unser norwegischer Kapitän Hansen hat kurzerhand beschlossen: wir bleiben heute Nachmittag hier. Finden wir gar nicht so schlecht, das gibt uns Gelegenheit zu Fuß nochmal das nette Örtchen hier zu erkunden.

Wir machen uns gleich nach dem Dessert auf und verlassen das Schiff. Ein schöner Spaaziergang ist das an der netten Uferpromenade entlacng is Zentrum des Städtchens. Es ist ein seltsames Gewusel an der Straße. Überall wird irgendwas verkauft, Schiffszubehör, Fische, Krimskrams - und dazwischen der unvermeidliche Dreck. Es ist aber toll diese Stimmung rund um das Hafengelände aufzunehmen. Wir genießen das.

Danach biegen wir ab Richtung Marktplatz. Der große Verkauf scheint zwar um diese Zeit zu Ende, doch immer noch werden Obst, Gemüse und Klamotten an zahlreichen Ständen feilgeboten. In dieser Ecke ist die Gemeinde sehr gepflegt, saubere Straßen und schöne Gebäude teilweise aus der Kollonialzeit. Wir finden eine schattige leicht erhöhte Terrasse mit angeschlossener Kneipe und lassen uns zwei kühle einheimische Biere schmecken. Unter uns wuseln die Einheimischen über die Wege, und wir fühlen uns entspannt uns sauwohl.

Die Dämmerung hat schon eingesetzt als wir wieder auf dem Schiff eintreffen. Ein schöner Tag findet mit einer wunderbaren Stimmung bei der Ausfahrt ihr Ende.

Mittwoch 10. April - Seetag

Also Ablauf wie immer (fast). Immer noch ziemlich steife Brise und spürbarer Seegang. Nach Frühstück und Mittagessen finden heute Nachmittag am Heck die berühmt berüchtigte "Schiffsolympiade" statt. Dabei tritt je eine Mannschaft der Offiziere, Reiseleiter und Passagiere gegeneinander an. Die Qualität der Spiele erinnert uns an unsere Kindheit: Sackhüpfen, Eierlaufen und Topfschlagen oder so ähnlich. Die meisten Zuschauer sind trotzdem ganz angetan von dem sportlichen Wettkampf und applaudieren kräftig.

Donerstag 11. April - Seetag

 

Auch wie immer. Schöner fauler Tag auf dem Außendeck, typisch phillipinische Küche zum Mittag und angenehmes Sitzen beim Nachmittagskaffe. Es stürmt und der Seegang ist ordentlich - Kotztüten werden im Schiff angebracht. Wir müssen unseren Schlummertrunk witterungsbedingt heute Abend im Harrys Bar zu uns nehmen. Draussen stürmt es doch recht ordentlich. Da es heute wieder mal ein wenig später wird greifen wir noch zu einigen "Schnittchen" vom oppulenten Mitternachtsbuffet.

Mittwoch 12. April - Arrecife / Lanzarote / Spanien

 

Fast geschafft, die letzte Station bevor wir den Atlantik komplett überquert haben. Wir sind auf der nächsten Vulkaninsel, und auch hier machen wir einen Ausflug der vom Schiff organisiert ist, ist einfach einfacher wenn nicht viel Zeit im Hafen anliegt. Es geht mit dem Bus hinein in die "Feuerberge" und den dazugehörigen Nationalpark.

Bald erreichen wir dann eine Karavanserei. Dort steigen einige Gäste doch tatsächlich auf Kamele und lassen sich 200 Meter hin und her tragen. Unsere Sache ist das nicht, aber wem es Spaß macht.

Wir fahren auf schmaler Piste durch diese eigentümliche Mondlandschaft, vorbei an Kraterresten und steil aufragenden Lavabrocken hinauf zur Spitze des "Montana de Fuego" wo sich ein Museeum und ein Restaurant befindet. Um zu zeigen, dass die Vulkane immer noch leben lassen die Guides Reisig im heißen Sand entzünden, produzieren Geysire und zeigen uns den Grill vom Restaurant, wo tatsächlich mit der Vulkanhitze das Essen zubereitet wird. Ziemlich interessant und ziemlich touristisch.

Weiter geht es wieder talwärts durch diese unwirkliche Landschaft. Wir besuchen anschließend ein Weingut. Tatsächlich gelingt es hier in der Vulkanasche Wein anzubauen. Jeder Weinstock wird mit einer kleinen Umrandung vor Wind geschützt. Sehr aufwendig die Sache und sehr teuer dann das fertige Produkt. Wir erwerben keines.

Recht früh sind wir dann wieder am Hafen und auf der Artania und es geht weiter. Im Hafen liegt auch die neue Aida Nova, ein riesiger Ferienklotz für 4.500 Gäste. wer's mag.

Das Auslaufen wie immer ein schönes Erlebnis mit guten Blicken auf die Insel und das Meer. Heute Abend spielt das Wetter auch wieder mit, wir nehmen den Absacker an der Phoenix Bar außen am Heck. Kapitän Hansen lässt es sich nicht nehmen und dabei Gesellschaft zu leisten.

Das war es nun fast mit dem Atlantik, morgen früh legen wir in Afrika an und haben den Ozean hinter uns gebracht. Von den letzten Tagen dieser Reise berichten wir dann in Teil 5

Teil 1                                   Teil 2                                   Teil 3                                   Teil 5

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© Klaus Loth